Schnäppchenjagd nach Aktien mit negativem Enterprise Value – Lohnt sich das?

Die Suche nach unterbewerteten Aktien ist eine beliebte Strategie bei vielen Anlegern. Eine mögliche Herangehensweise dabei ist die Schnäppchenjagd nach Aktien mit negativem Enterprise Value. Doch stellt sich die Frage: Ist diese Strategie wirklich so vielversprechend, wie sie klingt? Zunächst definieren wir, was ein negativer Enterprise Value eigentlich ist und illustrieren dies anhand eines praxisnahen Beispiels. Anschließend betrachten wir die Ergebnisse eines Backtests, durchgeführt von Jae Jun. Schließlich ziehen wir ein Fazit aus den gewonnenen Erkenntnissen und bewerten die Tragfähigkeit dieser Strategie.

Negative Enterprise Value – Was bedeutet das überhaupt?

 

Bevor wir uns der Frage widmen, ob diese Strategie lohnenswert ist, wollen wir kurz den Begriff des negativen Enterprise Values klären. Der Enterprise Value ist eine Kennzahl, die den Wert eines Unternehmens aus Sicht der Aktionäre und Gläubiger zusammenfasst. Sie setzt sich wie folgt zusammen:

Enterprise Value = Marktkapitalisierung + Gesamtverschuldung – Überschüssige Liquidität

Ein negativer Enterprise Value entsteht, wenn der Wert der überschüssigen Liquidität eines Unternehmens die Summe aus Marktkapitalisierung und Gesamtverschuldung übersteigt. In solchen Fällen könnte man theoretisch argumentieren, dass der Erwerb des Unternehmens „gratis“ wäre, da die überschüssige Liquidität die Kosten für die Übernahme decken würde.

 

Negativer Enterprise Value am Beispiel der Schnäppchen AG

 

Angenommen, die Schnäppchen AG hat folgende Finanz-Kennzahlen:

  • Marktkapitalisierung: 50 Millionen Euro
  • Gesamtverschuldung: 20 Millionen Euro
  • Überschüssige Liquidität: 80 Millionen Euro

Der Enterprise Value würde sich dann wie folgt berechnen:

Enterprise Value = Marktkapitalisierung + Gesamtverschuldung – Überschüssige Liquidität Enterprise Value = 50 Millionen Euro + 20 Millionen Euro – 80 Millionen Euro Enterprise Value = -10 Millionen Euro

In diesem Fall wäre der Enterprise Value der Schnäppchen AG negativ. Das bedeutet, dass die überschüssige Liquidität des Unternehmens die Summe aus Marktkapitalisierung und Gesamtverschuldung übersteigt. Ein Investor könnte theoretisch das Unternehmen kaufen und nach Begleichung aller Schulden immer noch über einen Überschuss von 10 Millionen Euro verfügen.

 

Aktien mit negativem Enterprise Value – Eine lohnende Schnäppchenjagd?

 

Jae Jun, den ihr aus dem vorangegangen Beitrag „Free Cash Flow Cows Strategie nach Jae Jun“ bereits kennt, hat sich in einem seiner Artikel auf seinem Blog ausführlich mit der Strategie auseinandergesetzt. Außerdem hat er die Strategie backgetestet.

Für seinen Backtest legte er folgende Bedingungen fest:

  • Keine OTC-Aktien
  • Keine Finanzaktien
  • Keine ADR-Aktien
  • EV ist kleiner als 0
  • Tägliches Handelsvolumen größer als 20.000

Die Ergebnisse sind beeindruckend. Jae Jun hat die Strategie mit einem aus 15 Aktien umfassenden Portfolio in einem Zeitraum von neun Jahren backgetestet und ihre Performance mit der des S&P 500 verglichen.

 

 

Quelle: https://www.oldschoolvalue.com/stock-analysis/negative-enterprise-value-screen-for-net-nets/

Fazit

 

Obwohl die Strategie, in Aktien mit negativem EV zu investieren, auf dem Papier sehr profitabel erscheinen mag, weist Jae Jun darauf hin, dass sie auch mit einer hohen Volatilität einhergeht. Die Idee, solche Aktien als potenzielle Schnäppchen zu betrachten, ist verlockend – schließlich erwirbt man theoretisch ein Unternehmen für weniger als den Wert seiner Netto-Barmittel. Dennoch sollte man sich der damit verbundenen Risiken und Herausforderungen bewusst sein:

  • Seltenheit: Negative EV-Aktien sind eher selten und daher nicht immer leicht zu finden. Dies begrenzt die verfügbaren Anlagemöglichkeiten in diesem Bereich.
  • Volatilität: Wie von Jae Jun betont, sind Investitionen in negative EV-Aktien von hoher Volatilität geprägt. Dies bedeutet, dass die Kurse stark schwanken können und ein erhöhtes Risiko für Anleger darstellen.
  • Qualität der Unternehmen: Unternehmen, die einen negativen EV aufweisen, könnten finanzielle Schwierigkeiten haben oder unprofitabel sein. Eine gründliche Analyse der Geschäftsmodelle und Finanzkennzahlen ist daher unerlässlich, um das tatsächliche Potenzial dieser Unternehmen einschätzen zu können.

Letztendlich bietet die Strategie der negativen EV-Aktien möglicherweise Chancen für risikobereite Anleger, erfordert jedoch eine sorgfältige Analyse und ein Verständnis für die potenziellen Risiken und Volatilitäten.

Aktuelle Beiträge

Free Cash Flow Cows Strategie nach Jae Jun

Free Cash Flow Cows Strategie nach Jae Jun

Im Folgenden gebe ich dir einen Überblick über die Free Cash Flow Cows-Strategie, einschließlich ihrer Kernprinzipien, Erfolgsbilanz und Kennzahlen. Außerdem beschreibe ich, wie Privatanleger die Strategie mithilfe von Finanzkennzahlen umsetzen können. Jae Jun:...

High Quality Meets Deep Value

High Quality Meets Deep Value

In diesem Artikel stelle ich Euch eine interessante Investmentstrategie vor, die "Piotroski F-Score und Kurs-Buchwert-Ratio Strategie". Sie basiert auf der Kombination von zwei wichtigen Kennzahlen: dem Piotroski F-Score und dem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Durch...

Value and Growth Strategie nach Montier

Value and Growth Strategie nach Montier

Die quantitative Aktien-Strategie, "Value and Growth" nach James Montier, einem renommierten Value Investor und Forscher, basiert auf lediglich zwei Kennzahlen: das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und das Gewinnwachstum. In diesem Artikel werden wir Montiers Studie und...